Altbauwände und das Bohrer-Loch-Verhältnis

April 30, 2007

Jeder, der nicht gerade mit zwei linke Pfoten geboren wurde und schonmal eine Bohrmaschine benutzt hat, kennt das Prozedere des Bohrvorgangs: Zuerst mache ich mir anhand des zu befestigenden Gegenstandes klar, welche Länge bzw. welchen Durchmesser die Schraube haben muss, damit das ganze dann auch hält. Entsprechend der Schraubenparameter wähle ich den Dübel (als Faustregel gilt Schraubendurchmesser+2mm) und demnach den passenden Bohrer. Ganz Einfach. Denkt man.

Problematisch wird es, wenn die Wände nicht nachweislich aus massiven Ziegeln und/oder Beton bestehen. Bei Ziegelwänden ärgert man sich schlimmstenfalls darüber, eine Fuge getroffen zu haben, und bei Betonwänden darüber, dass man für 3 Löcher entsprechend drei Bohrer Verheizt hat, weil genau an der Lochstelle eine Armierung verlief. Immerhin hat man nach wenigen Minuten Lärm mit dem Bohrer X ein Loch des Durchmessers X in der Wand.

Unberechenbar wird der Bohrvorgang hingegen in der durchschnittlichen deutschen Altbauwand. Es hat sich bewährt, mit dem kleinsten verfügbaren Steinbohrer zuerst eine Probebohrung an der entsprechenden Stelle durchzuführen. In etwa der Hälfte der Fälle kann man dann schon einen 6er Dübel im Loch versenken, da der Mörtel im Mischungsverhältnis “eins-zu-Sandgrube” bereits bei der geringsten Vibration großräumig wegbröselt. Reicht die Lochgröße wider Erwarten noch nicht aus, nehme man den nächstgrößeren Bohrer und wiederhole den Vorgang so lange, bis der Dübel passt. Nicht selten kommt es im zweiten oder dritten Ansatz zu folgender Erscheinung: Der Bohrer wechselt ohne zutun des Heimwerkers unmotiviert die Richtung und schraubt sich kreuz und quer durch das Gestein. Unnötig auszuführen, dass sich dann kein Dübel mehr vernünftig in das Loch stecken lässt. Es bleibt einem in diesem Fall nichts anderes übrig, als das ganze Loch weiter aufzubohren, bis es halbwegs gerade ist und dann einen entsprechend großen Dübel einzusetzen.

Als Erfahrungswerte gelten: Man beginnt mit einem 4er Bohrer und steckt dann einen 10er Dübel ins fertige Loch. Enspricht einer Vergrößerung um 150%. Große Klasse, besonders dann, wenn man ein filigranes Regal oder einen Bilderrahmen dann mit entsprechend dimensionierten Schrauben befestigen muss, die normalerweise im Dachstuhlbau verwendet werden.

In der Wohnung des Autors sieht das Verhältnis genau so aus: 4er Bohrer, 10er Loch…

29-04-07_14151.jpg

4 Antworten zu „Altbauwände und das Bohrer-Loch-Verhältnis“

  1. dardhoumas Sagt:

    Ist ja wie bei Tim Taylor…

  2. dardhoumas Sagt:

    Vielleicht brauchst du ja einen Binford 6100. Dann klappts auch mit der Altbauwand…

  3. leipzsch Sagt:

    Und ich dachte nach zwei Jahren Leipziger-Studentendaseins hat man endlich alle Löcher in die Altbauwand gezimmert. Hatte das Problem übrigens nicht. Entweder sind meine Wände stabil oder mein Handwerkermainzelmännchen (aka Tom) ist einfach ein feinfühliger Altbauwandversteher. Bisher halten auch alle Löcher/Dübel etc. und meine Schränke haben ihren größtenteils zerbrechlichen Inhalt noch nicht in meine Wohnung gekippt (aufholzklopf). Toll sowas. Dafür hatten wir teilweise das Problem, dass die Altbauwand erst nach minutenlangem Mit-Dem-Bohrer-Malträtieren milimeterweise nachgab und das Installieren irgendeines Dübels überhaupt möglich machte. Dickköpfig, aber stabil. Genau wie ich. “Wie des Bohrers Hand, so die Wand” oder so :D

  4. bechke Sagt:

    Dass sich jemand, der Stromleitungen anbohrt über bröselige wände aufregt … :P
    Aber im Ernst, ich kann bestätigen dass, die Bohrfähigkeit der Wohnraumbegrenzung im Revier des Autors ganz besonders bescheiden ausfällt.


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