Ich habe keine Freunde…

April 23, 2007

…zumindest kommt mir das machmal so vor, wenn irgendwelche realitätsfremden StudiVZ-User wieder drüber jammern, dass irgend eine C-Bekanntschaft aus längst vergangenen Tagen sich unbedingt in ihre Freundesliste einschleimen will.

Freund. Was verstehen wir heute überhaupt unter Freund? Ginge es nach der StudiVZ-Definition, wäre das ein Synonym für jede gottverdammte Arschkrampe, die man vor langer langer Zeit das letzte mal gesehen hat (und sich allerhöchstens noch an ihren derben Mundgeruch erinnert), und die jetzt plötzlich beim sinnlosen Surfen das eigene VZ-Profil aufstöbert und eine Freundschaftseinladung im virtuellen Briefkasten platziert. Beim mittlerweile inflationären Gebrauch der Begriffe Feunde, Freundschaft, Freund und Freundin auf allen einschlägigen Social-Network-Plattformen gerät völlig aus dem Bewusstsein, was wir umsprünglich darunter verstehen, oder besser, verstehen sollten.

„Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern“; „Sie ist in Hinsicht auf das Leben (in der Gemeinschaft) höchst notwendig. Denn ohne Freunde möchte niemand leben, auch wenn er die übrigen Güter alle zusammen besäße … Freundschaft ist Hilfe“

So beschrieb Aristoteles das Phänomen, dass zwei Menschen auf geistiger Ebene tief verbinden kann, ohne dass zwangsläufig eine sexuelle Komponente zur Arterhaltung dazu kommen muss. Freundschaft wächst aus gemeinsamen Interessen, aus Zeit, die man miteinander verbringt, aus Krisen, die man zusammen meistert. Und wie alles was wächst (abgesehen vom Schimmel im Kühlschrank), braucht die Freundschaft Zeit. Viel Zeit.

Ich will nicht ausschließen, dass der ein oder andere in entsprechenden Freundeslisten auch ein echter Freund ist. Aber sollte mann dann nicht die Begrifflichkeit auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen, und das diese Beziehung als Kontakt oder, wenn man es etwas persönlicher mag, als Bekanntschaft deklarieren, anstatt gleich das höchste Gut der zwischenmenschlichen Beziehung zu verballern?

Insbesondere Punkt 2 der StudiVZ-Startseite finde ich unter aller Sau: Finde alte Freunde wieder. Wenn ich den Kontakt zu einem Freund soweit verliere, dass ich ihn über StudiVZ suchen muss, dann ist das keine Freundschaft mehr.

Der Rest der Punkte ist im Prinzip ähnlich sinnlos. Hätte mich interessiert, wer wen über wen kennt, wäre ich nach dem Abi zum BND gegangen, und wenn mich interessiert, wer in meinen Lehrveranstaltungen sitzt, dann schaue ich mich halt mal um (denn manchmal bin ich tatsächlich da!!).

Fakt ist, ich werde mich NIEMALS im StudiVZ anmelden, denn die Leute, die mir wichtig sind, kann ich auch so erreichen. Und bei den anderen hat das bestimmt einen Grund, warum ich sie seit Jahren nicht gesehen habe ;-)

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